Branding & Design

Typografie in Corporate Designs anwenden

Typografie ist das Rückgrat jedes Corporate Designs. Sie prägt Tonalität, Lesbarkeit und Wiedererkennung – online wie offline. In diesem Leitfaden zeigen wir Schritt für Schritt, wie Sie Typografie strategisch auswählen, sauber anwenden und in Ihrem Styleguide verbindlich dokumentieren.

Sie erfahren, wie Schriftwahl, Hierarchie, Zeilenabstand, Kontrast und responsive Regeln zusammenspielen. Zudem erhalten Sie praxisnahe Beispiele, Checklisten und Vorlagen, die Sie direkt übernehmen können – für konsistente Ergebnisse in Website, Social Media, Print und Präsentationen.

Typografie im Corporate Design

Definition: Typografie im Corporate Design bezeichnet die planvolle Auswahl und Anwendung von Schriftarten, Grössen, Abständen und Hierarchien, um die Markenpersönlichkeit konsistent zu vermitteln. Sie sorgt für Lesbarkeit, Professionalität und klare Benutzerführung über alle Touchpoints – vom Logo bis zur App.

Tipp: Starten Sie mit einer fokussierten Typografie-Strategie (max. 2–3 Hausschriften) und definieren Sie Regeln, bevor Sie Templates bauen.

Warum ist Typografie so wichtig?

Typografie schafft Vertrauen und Struktur. Konsistente Headlines, klare Lauftexte und definierte Mikrotypografie (Abstände, Listen, Zitate) machen Inhalte schneller erfassbar. Zudem wirkt Typografie wie ein akustischer Tonfall: seriös, verspielt oder technisch – je nach Schriftwahl.

Praxisbeispiel: Ein KMU aktualisiert sein Corporate Design. Durch vereinheitlichte Typografie sinkt die Produktionszeit für Social-Posts um 30 %, weil Headline- und Textstile fix definiert sind.

Schriftwahl und Hausschrift festlegen

Wählen Sie eine Primärschrift für Headlines und eine gut lesbare Sekundärschrift für Fliesstext. Serifenlose Schriften performen digital oft besser; Serifen können in Print überzeugen. Prüfen Sie Lizenzierung (Web/Print/App), verfügbare Schriftschnitte sowie Unterstützung für Sonderzeichen und Zahlenstil.

  • Markenfit klären (Werte, Tonalität, Zielpublikum)
  • Lesbarkeit testen (Desktop/Mobil, 14–18 px Basisgrösse)
  • Schriftschnitte definieren (Regular/Bold/Italic vermeiden wir, Kursiv nicht als Stilregel)
  • Fallback-Fonts festlegen (Systemschriften)
  • Lizenz & Performance prüfen (Dateigrösse, Variable Fonts)

So vermeiden Sie spätere Brüche. Variable Fonts reduzieren Ladezeit und erlauben feine Gewichtsstufen – ideal für modulare Systeme.

Praxisbeispiel: Ein SaaS-Anbieter kombiniert eine serifenlose Primärschrift für UI (z. B. Inter) mit einer charakterstarken Display-Schrift für Kampagnen. Durch konsistente Gewichte (500/700) wirken CTAs prägnant, während Fliesstext ruhig bleibt.

Typografische Hierarchie & Skalen

Definieren Sie eine modulare Skala auf Basis der Body-Grösse (z. B. 16 px) und eines Faktors (z. B. 1.25). Damit entstehen reproduzierbare Stufen für H1–H6, UI-Labels und Meta-Infos. Ergänzen Sie Zeilenabstände (1.4–1.6), Absatzabstände und maximale Zeilenlänge (45–80 Zeichen) für klare Lesbarkeit.

Welche Schriftgrössen funktionieren im Web?

Für Standardtexte sind 16–18 px ein guter Startwert. Headlines steigern Sie über die Skala (z. B. 20/25/31/39/49 px). Wichtig: Testen Sie reale Inhalte auf Mobile. Wenn Buttons und Labels zu klein sind, leidet die Klickrate – auch bei schönem Design.

Ebene Web (px) Print (pt) Verwendung
H1 49 24 Seitentitel, Hero
H2 39 18 Abschnittstitel
H3 31 14 Unterthemen
Body 16–18 10–11 Fliesstext
Kleingedrucktes 14 9 Meta, Labels

Nutzen Sie die Skala als verbindliche Vorgabe. So bleiben Abstände und Proportionen konsistent, auch wenn mehrere Personen gestalten.

Tipp: Arbeiten Sie mit einem Raster (z. B. 4/8 px). Typografische Abstände in Vielfachen dieses Rasters verhindern „schiefe“ Layouts.

Praxisbeispiel: Eine Landingpage erhält eine feste Skala. Headlines springen um genau eine Stufe, Absätze nutzen 1.5 Zeilenhöhe. Das Auge findet schneller Orientierung – die Verweildauer steigt messbar.

Lesbarkeit & Barrierefreiheit

Lesbarkeit entscheidet über Performance. Achten Sie auf ausreichenden Kontrast, klare Grösse und verständliche Hierarchie. Für digitalen Text gelten Mindestkontraste gemäss WCAG 2.1 AA: Normaltext ≥ 4.5:1, grosser Text (ab ~24 px Regular / ~19 px Bold) ≥ 3:1. Halten Sie Zeilenlänge und Zeilenabstand stabil.

Wie teste ich Kontrast schnell?

Nutzen Sie Systemtests im Design-Tool oder Browser-Extensions. Prüfen Sie jeweils Hintergrundfarbe und Textfarbe pro Zustand (Normal, Hover, Disabled). Dokumentieren Sie erlaubte Kombinationen im Styleguide, damit Teams keine unsicheren Grautöne verwenden.

Hinweis: Helle Grautöne (#BFBFBF auf Weiss) sind für Body-Text oft zu schwach. Nutzen Sie dunklere Werte (z. B. #333333 auf #FFFFFF).

Farbschema für lesbare Buttons

  • Primär: Blau #0B5ED7 (RGB 11,94,215)
  • Text: Weiss #FFFFFF (Kontrast erfüllt WCAG 2.1 AA)
  • Hover: #0948A8 (RGB 9,72,168)

Mit dunkler Primärfarbe und weissem Text erreichen Sie stabilen Kontrast. Dokumentieren Sie zusätzlich Focus-Ringe (z. B. 2 px Outline in #FFBF47) für bessere Tastaturbedienung.

Praxisbeispiel: Ein Versicherer prüft Formulare: Body-Text auf #F7F7F7-Hintergrund wirkt zu blass. Nach Umstellung auf #222222 und klare Focus-Stile sinken Abbrüche spürbar.

Typografie in digitalen Kanälen

Digital muss Typografie flexibel reagieren. Setzen Sie auf responsive Regeln (z. B. Skalierung zwischen 16–18 px Body, H1 clamp-basiert). Definieren Sie Zeilenlängen für Mobile (35–60 Zeichen) und Desktop (45–80 Zeichen). Buttons brauchen klare, kurze Verben und ausreichend Innenabstand.

  • Base-Size 16–18 px; UI-Labels ≥ 14 px
  • Zeilenhöhe 1.4–1.6; Absatzabstand ≥ 0.5 Zeile
  • Max-Zeilenlänge 45–80 Zeichen
  • CTA-Texte aktiv („Jetzt starten“)
  • Fallback-Fonts im CSS definieren

Für E-Mail-Templates gelten ähnliche Regeln, jedoch mit technischen Grenzen (z. B. Webfonts). Leitfäden und Beispiele finden Sie in unseren Newsletter Templates.

Wie viele Schriftschnitte sind sinnvoll?

Für Klarheit genügen oft Regular und Bold. Ein drittes Gewicht (Medium) hilft bei UI. Mehr Varianten machen das System schwer. Definieren Sie, welcher Schnitt für welche Elemente gilt – das beschleunigt Gestaltung und Review.

Praxisbeispiel: Ein Onlineshop ersetzt zu kleine Label-Schriften (12 px) durch 14 px und erhöht Button-Linienhöhe. Die Klickrate auf Produkt-CTAs steigt deutlich.

Typografie in Print & Branding

Im Print zählt Reproduktion: Papier, Druckverfahren und Sehentfernung beeinflussen die Grösse. Für Broschüren funktioniert ein Body von 9–11 pt gut; Headlines liegen je nach Format zwischen 14–24 pt. Achten Sie auf genügend Zeilenabstand (120–140 %) und ein konsistentes Grundlinienraster.

Medium Empfohlene Body-Grösse Hinweis
Visitenkarte 8.5–9.5 pt Hoher Kontrast, klare Daten
Flyer A5 9–10 pt Kurze Zeilen, starke Headlines
Broschüre A4 10–11 pt Ruhiger Satz, 60–70 Zeichen
Plakat ≥ 80 pt H1 Sichtdistanz beachten

Dokumentieren Sie Druckversionen (CMYK, Sonderfarben) und Outlines für Übergabe an Druckereien. Das verhindert spätere Überraschungen.

Welche Schriftgrössen für Visitenkarten?

Nutzen Sie 8.5–9.5 pt für Kontaktdaten, 11–12 pt für Namen. Wählen Sie einen kräftigen Schriftschnitt für bessere Reproduktion. Verzichten Sie auf feine Hairlines – sie brechen im Druck schnell weg.

Praxisbeispiel: Ein Verein stellt sein Briefpapier um. Durch klaren Zeilenabstand und feste Absatzabstände wirken Schreiben ruhiger und professioneller – das Feedback fällt positiv aus.

Typografie im Styleguide dokumentieren

Ohne Dokumentation bleibt Typografie Auslegungssache. Legen Sie in Ihrem Styleguide Regeln fest: Schriften, Grössen, Zeilenabstände, Farben, Kontraste, Link- und Listenstile, Tabellen, Focus-Stile sowie Beispiele. Ergänzen Sie No-Gos (z. B. verbotene Kombinationen).

  • Schriftfamilien inkl. Fallbacks
  • Skala (H1–Body), Zeilen- & Absatzabstände
  • Farben mit HEX/RGB/CMYK und erlaubten Paarungen
  • Komponenten-Beispiele (Buttons, Cards, Tabellen)
  • Redaktionsrichtlinien (Zahlen, Bindestriche, Abkürzungen)

So arbeiten Designer und Redaktoren am selben System. Für die Farbwelt verweisen Sie im Dokument auf definierte Paletten – Inspiration bietet z. B. unser Beitrag zu Farben im Branding.

Praxisbeispiel: Ein Industriebetrieb erstellt einen einseitigen Typo-Quickguide für Messen: Headline/H2/Body, Abstände, CTA-Text, Logo-Schutzraum. Teams setzen Stände schneller auf – ohne Nachfragen.

Typografie

Mit klarer Typografie wird Ihr Corporate Design sichtbar: Eine passende Hausschrift, eine nachvollziehbare Skala, starke Kontraste und verbindliche Regeln schaffen Konsistenz – und damit Vertrauen. Starten Sie klein, dokumentieren Sie konsequent und testen Sie an echten Inhalten. So zahlt sich Typografie täglich aus – in jedem Kanal.

Sie möchten Ihre Typografie strategisch aufsetzen oder prüfen lassen? Dann jetzt Kontakt aufnehmen.

Häufige Fragen zu Typografie

Welche Schriftarten eignen sich für Corporate Designs?

Serifenlose Schriften sind im Digitalen oft erste Wahl, weil sie auf Bildschirmen klar wirken. In Print funktionieren auch Serifen sehr gut. Entscheidend ist der Markenfit: Wirkt die Schrift kompetent, freundlich oder technisch? Testen Sie mit echten Texten und auf Mobile.

Wie viele Schriften sollte ein Styleguide enthalten?

Meist reichen zwei: eine Primärschrift für Headlines und eine Sekundärschrift für Fliesstext. Ein drittes Gewicht (Medium) hilft im UI. Mehr Vielfalt bringt selten Mehrwert und erschwert Governance. Definieren Sie pro Element den Schnitt – das spart Rückfragen.

Welche Basisgrösse ist für Webtexte ideal?

16–18 px sind praxiserprobt. Wichtig ist der Kontext: Zeilenlänge, Zeilenabstand und Gerät. Prüfen Sie echte Seiten mit Ihrer Zielgruppe. Wenn Nutzer vergrössern müssen, ist die Basis zu klein. Passen Sie Hierarchien über eine modulare Skala an.

Wie sichere ich Barrierefreiheit bei Text?

Halten Sie die Mindestkontraste der WCAG 2.1 AA ein: 4.5:1 für Normaltext, 3:1 für grossen Text. Sorgen Sie für klare Focus-Stile, nachvollziehbare Reihenfolge der Überschriften und ausreichende Klickflächen. Dokumentieren Sie erlaubte Farbkombinationen im Styleguide.

Sollte ich Variable Fonts verwenden?

Ja, wenn Technik und Lizenz passen. Variable Fonts bündeln mehrere Gewichte in einer Datei – das spart Ladezeit und ermöglicht feinere Abstimmung. Testen Sie Rendering auf unterschiedlichen Systemen und definieren Sie feste Instanzen für UI und Headlines.

Daniel Eugster

Daniel ist Kommunikationsdesigner mit einem geschulten Blick für Ästhetik und über 20 Jahren Erfahrung in der visuellen Gestaltung – ob in 2D oder 3D. Als kreativer Kopf mit technischem Verständnis entwickelt er Markenauftritte, Printprodukte und Animationen, die nicht nur gut aussehen, sondern auch funktionieren. Von Fotografie und Illustration bis Motion Design, von Character Development bis Corporate Identity: Daniel verbindet konzeptionelles Denken mit visueller Raffinesse. In diesem Blog gibt er Einblicke in seine Arbeitsweise – mit inspirierenden Projekten, praktischen Tipps und fundiertem Know-how aus der Welt der Gestaltung.

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